
Burnout – Erfahrungsbericht aus der Erschöpfung
Ausgebrannt, völlig leer. Nicht mehr ich selbst. Konfrontiert mit einem völlig neuen Daseinszustand. Das alles war ich schon und wusste es nicht – aber gottseidank gab es Menschen, die das lange vor mir sehen konnten. Mitte 2019 schrieb mich meine Hausärztin krank – wie ich heute weiß, mit Erschöpfungsdepression oder auch „Burnout“. Von meinen Erfahrungen erzähle ich hier.
Was ein „Burnout“ ist, das ist noch nicht einmal klar definiert. Von manchen Ärzt:innen – wie ich erfahren musste – noch immer umstritten. Mein Zustand hingegen war krass und sehr, sehr real. Es ging einfach nichts mehr. Körperlich und seelisch nichts mehr.
Ausgebrannt – meine damalige Situation
Ich hatte seit 14 Monaten einen neuen Job – im Kindergarten als Quereinsteigerin. Den Job hatte ich einerseits als Notlösung angenommen – und war andererseits aber doch total entfacht! Denn ich sollte nicht einfach als Erzieherin im Kindergarten arbeiten, sondern in einem komplett neuen Kindergarten ein Atelier, eine Kreativwerkstatt aufbauen! Und das, naja, das ist für eine Kunsttherapeutin doch wohl ein Traum!
Idealistisch gestartet – in Resignation gelandet
Ich war deshalb mit größter Motivation gestartet, voller Träume, Ideen! 14 Monate später war davon nichts mehr übrig. Die neue Kita war für alle Beteiligten eine Zumutung und extreme Enttäuschung. Nichts fand sich: Keine Struktur, keine Richtung. Nach extremem Auf und Ab, vielen herben Enttäuschungen, Problemen mit meinem Status als Quereinsteigerin, mehrfach umgedeuteten Aufgaben und Zugehörigkeiten lief ich umher wie ein Zombie. Ich schleppte mich mühselig zur Arbeit, quälte mich mit jeder einzelnen Aufgabe und zählte buchstäblich jede Minute.
Ich wollte absolut nicht mehr hier sein. Ich hatte mich mehrfach lautstark mit meiner Chefin gestritten. Griff mir glaube ich alle fünf Minuten an die schmerzenden Kiefer und Schläfen. Träumte nachts von immer schrecklicheren Katastrophen in dieser Kita, die mich schweißgebadet aufwachen ließen. Und steckte doch völlig in allem fest.

Krankschreibung und erste Diagnose „Neurasthenie“
Ich war in einem grauenvollen Zustand – aber merkte es nicht. Gottseidank gab es irgendwo in meinem Gehirn ein bisschen Restvernunft, die meinte, ich bräuchte zumindest eine Schiene gegen das Knirschen. Mit dem Zahnarztbesuch kam ein Prozess in Gang. Eine erste Person sah meinen Zustand. Tut ihnen nicht alles weh?! Für mich ein erster Bewusstseinsmoment.
Von da ging es weiter zur Physiotherapie, und schließlich zur Hausärztin bei nicht besser werdenden Schmerzen. Die Hausärztin muss irgendwie gesehen haben, was mit mir los ist. Sie schrieb mich für vier Wochen krank. Die Diagnose lautete F48.0 – „Neurasthenie“. Das ist wohl eine ungünstige, veraltete Diagnose, aber ich hatte Glück. Nach einem hektischen und sehr unangenehmen Rückruf akzeptierte die Kasse und ließ mich in Ruhe. Ein Jahr und drei Monate war ich krankgeschrieben, später dann auch noch den Rest der maximal möglichen anderthalb Jahre. Mehr erzähle ich dir dazu in Burnout Krankschreibung – Erfahrungen.
Inhaltsverzeichnis
Wie es sich anfühlt – meine Erfahrungen mit Burnout-Symptomen
Das krasseste Symptom ist für mich, dass man die enorm große Vielzahl an Symptomen, mit denen der Körper seine Not ausdrückt, überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Starke Schmerzen, extreme innere Zustände und selbst die Veränderung der eigenen Persönlichkeit – man verdrängt einfach alles.
Allein zuhause stürzt das, was man monatelang ignoriert hat, dann mit aller Wucht auf einen ein. Ich konnte es kaum in meinem Körper aushalten. Ich war wie getrieben, voller Schmerzen, konnte kaum essen.
- Schlafstörungen.
- Sich nicht mehr abgrenzen können.
- Reizbarkeit, emotionale Instabilität. Ich ging total schnell an die Decke, konnte nur noch wenig aushalten.
- Extreme Probleme, mich zu motivieren. Totale Lustlosigkeit gegenüber allen gestellten Aufgaben. Extremer Widerstand, überhaupt auf Arbeit zu gehen.
- Müdigkeit, Kraftlosigkeit, die ich mit großen Mengen Kaffee zu übertünchen versuchte.
- Schwierigkeiten mit Wahrnehmung, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Ich stand oft wie blöd vor den einfachsten Sachen.
- Schmerzen, die ich aber nicht wahrnahm
- Persönlichkeitsveränderung
- Phasenweise enorme innere Anspannung, innere Unruhe. Ich weiß noch, wie ich in völliger Verkrampfung, angespannt wie ein Flitzebogen, auf dem Klo saß. Und mir immer sagte: Es ist alles gut, lass locker. Aber zwei Sekunden später war ich wieder völlig verspannt.
- Unfähigkeit zur Entspannung. Entspannungsmethoden, die ich früher gern angewendet habe, funktionieren nicht mehr.
- Depression. Innere Leere, wie nie zuvor erlebt.
- eine Vielzahl körperlicher Symptome
Meine Erfahrung mit körperlichen Symptomen im Burnout
Der Körper hat sich schon früh sehr stark geäußert. In der Krankschreibung war es der Körper mit seinen zahllosen Äußerungen, der mich am meisten quälte. Nichts schrie so laut wie die Schmerzen und wie dieses extreme innere Unruhigsein – das ich ebenfalls als etwas absolut Körperliches erlebte. Ich bekam kaum etwas zu essen in mich. Ich konnte absolut nicht entspannen. Auch die verminderte Leistungsfähigkeit, die Erschöpfung war so überhaupt gar nicht „psychisch“. Ich war nicht mehr derselbe Mensch. Später sollte ich erfahren, warum sich das alles so anfühlt – und was Ausgebranntsein eigentlich heißt.
Mein Weg ins Burnout
Wie bin ich in diesem krassen Schlamassel gelandet? Tja, tatsächlich kann man schon einige Jahre vorher den eigentlichen Beginn festmachen. Wenn ich mal wirklich ehrlich zurückschaue, dann gab es einen ersten ernsten „Knacks“ schon in den Jahren 2014 und 2015, also drei oder vier Jahre vorher. Das eigentliche Ausbrennen ging dann sehr schnell – in einer Umgebung, die nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten eine extreme Herausforderung war, nämlich das Chaos der Kita.

Phasen meines Burnouts
Vor-Phase 1
Ich hatte mehrere Jobs nebeneinander, alle im Sozialen – sie waren alle auf ihre Art sehr belastend. Ich arbeitete mit Kindern und Erwachsenen mit geistigen Behinderungen in unterschiedlichen Konstellationen, Fälle von Missbrauch kamen hinzu. Starke Regelschmerzen gaben ein erstes Signal.
Vor-Phase II: Harsche Bedingungen
In dem halben Jahr vor dem Umzug und neuem Job arbeitete ich im Nachtdienst gearbeitet. Es war eine Notlösung, als ich von meiner langen Reise zurückkam. Natürlich setzte mir die Nachtarbeit aber extrem zu: Ich sah fast den ganzen Winter kaum Tageslicht. Nach drei, vier Nächten am Stück war meine Laute total im Keller.
Im Februar erkrankte ich an Grippe. Diese erwischte mich heftig und mein Körper hatte Schwierigkeiten, sie niederzukämpfen. Das Fieber ging zunächst ordnungsgemäß zurück – nur um noch heftiger wiederzukommen. Als sich die Krankheit zurückzog, ließ sie für Wochen eine bleierne Müdigkeit in all meinen Gliedern zurück.
Das eigentliche Ausbrennen beginnt: Neuer Job und Umzug, starke Begeisterung und Identifizierung
Ich zog nach Straßburg, und begann in der Kita. Der neue Job brachte große Unsicherheiten, aber auch eine große Verheißung mit sich. Ich startete als Quereinsteigerin in einem für mich völlig unbekannten Umfeld. Ich freute mich riesig auf meine Aufgabe darin: Den Kreativbereich komplett neu einzurichten! Das heißt, ich startete mit einer sehr großen Begeisterung und Über-Identifizierung in den Job – und genau das war wohl auch das Problem.
Anhaltend schwierige Bedingungen
Meine enorme Motivation traf auf schwierige Bedingungen vor Ort.Im neuen Kindergarten funktionierte nichts. Es gelang nicht, konstante Regeln und Strukturen zu finden – alles änderte sich alle paar Wochen. Als Quereinsteigerin war ich noch zusätzlich verloren. Durch den Umzug war ich von meinen Freunden und meiner Familie entfernt. Niemand sah mich, gab mir Feedback, dass ich mich vielleicht viel zu sehr mit allem identifizierte, dass ich anfing, reizbar zu werden … Immer mehr Kaffee in mich hineinzuschütten begann …
Zeichen zunehmender Entfremdung und Belastung
Immer öfter hatte ich enorme Kopfschmerzen auf Arbeit. Immer öfter fuhr ich total aufgewühlt heim – und bekam kaum mit, was um mich herum vor sich ging. Immer öfter trank ich nach der Arbeit ein Bier – oder zwei. Immer mehr Kaffee brauchte ich morgens, um in die Gänge zu kommen. Ich wurde krank. Die Erkältung wollte nicht so recht heilen … Bald folgte eine Mandelentzündung … Bestimmte Tätigkeiten begannen, mir extrem schwerzufallen. Meine morgendlichen Radtouren wurden immer halsbrecherischer – weil ich mich hinprügeln musste, immer später losfuhr.
Zynismus und extremer innerer Widerstand
Meine Nächte wurden zur Hölle. Ich träumte nur noch von Katastrophen und wachte zerstört auf. Mein letzter Urlaub war eine Qual, weil ich mich nicht von der Kita freimachen konnte. Meine Nerven lagen blank. Ich stritt mich mehrfach lautstark mit meiner Chefin. Kiefer, Schläfe, Nacken, Kopf taten unfassbar weh. Ich ging zum Zahnarzt. Landete in der Krankschreibung. Kämpfte zuhause mit kaum aushaltbarer innerer Unruhe und Schmerzen.
„Zusammenbruch“ – Absturz in die Depression
Lange Zeit beherrschte mich diese Unruhe auch noch zuhause. Erst zeitverzögert kam eigentlich der Absturz in die totale Erschöpfung. Ich ritt zunächst weiter auf extrem hoher Drehzahl. Bis der Zusammenbruch kam – mich die totale Erschöpfung und Depression ergriffen. Nun fand ich mich in einem Zustand, den ich mir für mich selbst nie hatte vorstellen können. Um mich herum als eigentlich durch und durch positive, lebensbejahende, von Vertrauen erfüllte Person wurde es dunkel und leer. Ich verlor jede Begeisterung, jeden Bezug zu allem, was mich je interessiert hat.

Raus aus dem Burnout – Erfahrungen mit der Behandlung
Meine Hausärztin war sehr nett, und ich bin ihr wahnsinnig dankbar – aber so eine richtige Idee, was mit mir anzufangen sei, hatte sie glaube ich nicht. Ich musste selbst ausprobieren. und stieß erstmal auf Dinge, die nicht funktionierten. Die allermeisten Entspannungstechniken zum Beispiel. Mein Körper lehnte sie absolut ab. Tipps aus renommierten Büchern halfen mir ebensowenig. Burischs breit empfohlene „Burnout-Kur“ ging völlig an meinen akuten Problemen vorbei. Ich war von einer solchen körperlichen Unruhe getrieben, mir sägte dermaßen der Schmerz am Gehirn, dass ich es kaum aushalten konnte – über psychologische Fragestellungen reflektieren konnte ich nicht.
Stabilisierung durch Psychotherapie und einfache, schöne Tätigkeiten
Gut war auch der Beginn meiner Psychotherapie. Die Therapeutin gab mir die einfachsten Anweisungen: Machen Sie angenehme Dinge. Sie suchte mit mir zusammen nach Dingen, die mir guttun würden – und die auch jetzt möglich waren.
- Malen. Einfach malen. Ich nahm mir einfach Farben, wie ich Lust hatte, und malte Schwünge und fließende Formen.
- Gärtnern auf dem Balkon. Pflanzen und Erde! Ich säte Blumenmischungen aus und beobachtete voller Faszination die unbändige Kräfte, mit der die zarten Pflänzchen im Frühling aus der Erde brechen.
- Hörbücher. Lesen ging nicht. Aber meine Therapeutin stellte richtig fest, dass es ja auch noch Hörbücher gibt! Ich suchte nach einfachen, anregenden Geschichten voller Fantasie und Musik.
- Viel Schlaf und Erholung. Wann immer die Meldung kam, dass die Kräfte erschöpft sind, legte ich mich hin und ruhte.
- Wald und Natur. Kleine Spaziergänge im Grünen.
- Barfuß gehen – Gehmeditation. Bewusstes Spüren beim Gehen.
All das erfüllte mich wieder mit innerem Leben, gab mir kleine Momente von Freude und Farbe. Außerdem fand ich mit der Progressiven Muskelentspannung endlich eine Methode, um runterzukommen.

Wertvolle Erkenntnisse an der Stressambulanz!
Meine Psychotherapie fand statt an der „Ambulanz für stressbedingte psychische Erkrankungen“ in Freiburg, weil ich bei mir in der Nähe keinen Platz bekam. Dort lud man mich zum „Stresstest“. Ich wurde verkabelt und musste einen Stresstest durchlaufen, sowie noch für 48 Stunden zuhause Brustgurt tragen und Wattebällchen einspeicheln.
Der Stresstest gibt Auskunft über den Erschöpfungszustand!
Einige Zeit später erhielt ich einen großen Stapel Papiere. Dort lauter rätselhafte Dinge: Kurven, Spektren und Diagramme. Und Ergebnisse: „Insgesamt zeigt sich in der Stressdiagnostik eine chronische Erschöpfung der Patientin, die neben den psychosozialen Belastungen auch durch die mangelnde Regeneration durch verminderten erholsamen Nachtschlaf resultieren kann.“
Ich fiel aus allen Wolken. Wie bitte was? Was wurde da gemessen, woher wissen die, ob ich mich beim Schlafen erhole? Was sind das alles für Messwerte und Daten??

„Während des TSST wird die psychische und physische Reaktion des Patienten auf eine standardisierte Stresssituation gemessen. Als physiologische Maße werden dabei die Herzfrequenz und das Level an Cortisol im Speichel genutzt.“
Stressambulanz Freiburg
Herzfrequenz und Cortisol als Indikator für chronischen Stress!
Man hatte also den Cortisolspiegel über den Tagesverlauf analysiert – das sind dann wohl die vielen Wattebällchen gewesen, die ich immer zu ganz exakten Zeiten einspeicheln musste! Und mit dem Brustgurt wurde die Herzrate – nein, Moment, die Herzfrequenz – gemessen, und diese gab jetzt Aufschluss über den Schlaf!
Ich warf natürlich sofort die Suchmaschine an und ward für den Rest des Tages nicht mehr gesehen. Cortisol und Herzfrequenz dienten als Biomarker für Stress und Erholung! Für mich, die ich meinen Zustand die ganze Zeit also so körperlich empfunden hatte, war dies eine kleine Revolution. Diesen körperlichen Zustand – diese so starke Erschöpfung – das morgendliche Zerschlagensein – das konnte man messen!!
Eigene Nachforschungen – Biomarker Cortisol
Dies änderte alles. Zwar erfuhr ich leider von der Stressambulanz und meiner Therapeutin nicht viel zu den Hintergründen, aber forschte dann eben selbst. Ich befasste mich mit dem Stresshormon Cortisol und erfuhr, dass man davon nicht nur zu viel, sondern auch zu wenig haben kann – und dass dies ein Hinweis auf chronischen Stress ist. Fernab der Schulmedizin wird dieses Phänomen als „Nebennierenschwäche“ oder „-erschöpfung“ bezeichnet.
Biomarker HRV
Fast noch spannender fand ich die Herzfrequenz-Messung bzw. das Phänomen der HRV – Herzfrequenzvariabilität. Das Herz als Biomarker! Die Anpassungsfähigkeit des Organismus an Belastungen und seine Fähigkeit zum Entspannen zeigt sich in der Variabilität der Herzschläge! Ein gesunder Organismus kann flexibel wechseln zwischen schnellem Herzschlag – bei Aufregung, hoher Belastung – und langsamem Herzschlag, bei Entspannung und geringer Belastung. Unter chronischem Stress geht die Anpassungsfähigkeit des Organismus zurück, die Variabilität des Herzschlags schränkt sich ein.
Wissen über Stress im Körper – ein eigenes Behandlungs-Paket schneidern
Ich kaufte mir Bücher über die HRV, über die Folgen von Stress und die Wirkweise von Stress im Körper. Ich las über den Zusammenhang von Zucker und Cortisol, Koffein und Cortisol – und über eine Atemmethode, mit der man die HRV stärken kann! Und bastelte daraus Leitlinien für ein Selbsthilfe-Programm.
- Verzicht auf Koffein, denn Koffein triggert die Ausschüttung von Cortisol. Außerdem treibt es den Blutzucker hoch – und lässt ihn dann abstürzen.
- Verzicht auf Zucker und Umstellung auf eine kohlenhydratarme Ernährung. Auch Zucker und Cortisol hängen zusammen. Im Stress ist der Blutzuckerspiegel konstant überhöht – was zu einer Insulinunempfindlichkeit führen kann.
- Kohärentes Atmen und – Atemtechniken für die HRV. Durch vertieftes Atmen und gleichlanges Aus- und Einatmen die beiden Antagonisten Sympathikus und Parasympathikus in Balance bringen und dem Körper tiefe Regeneration ermöglichen – dieses kohärente Atmen kombinierte ich mit positiven inneren Bildern,
- Mehr Bewegung wagen – Laufen ausprobieren! Ganz vorsichtig – Gehen und kurz Laufen im Wechsel. Bewegung baut Stress ab und kurbelt heilende Prozesse an.
Alles zusammen brachte mir viel. Mein erschöpfter Körper bedankte sich für das Weglassen des erzwungenen Kicks in Form von Kaffee. Ein ausgeglichener Blutzuckerspiegel nahm dem System einen großen Stressfaktor weg: die oft plötzlich auftretenden Blutzucker-Abstürze, die, wie ich nun begriff, massiver Stress sind für den Organismus.
Und das Kohärente Atmen bescherte mir Momente tiefer Entspannung – und half tastächlich enorm bei der Regeneration. Ich legte mich einfach hin. Atmete. Und schon bald wandelten sich Erschöpfung und Ausgelaugtsein und Kraft und positives inneres Gestimmtsein kehrten zurück.
Weiterer wichtiger Schritt: Nährstoffmängel bekämpfen!
Längst hatte ich das Buch „Der Burnout-Irrtum“ gelesen. Ich fand endlich eine ganzheitlich denkende Ärztin, die sich Zeit nahm und die offen war für die Idee von möglichen Nährstoffmängeln. Wir machten ein großes Blutbild, und stießen auf zahlreiche Mängel, unter anderem an Vitamin-D. Der Ausgleich brachte mich einen großen Schritt vorwärts. Es wirkte insbesondere gegen die Erschöpfung und verbesserte so auch meine Stimmung massiv.
Den Schmerzen beikommen
Ohne Schmerztabletten waren meine Tage eine einzige Qual – es sägte und bohrte mir dermaßen am Kopf, dass ich mich davon kaum abgrenzen konnte. Ich suchte verzweifelt nach Linderung.
- Physio hilft nicht. Die Zeit war einfach viel zu kurz. Jedes Mal behandelte jemand anders und musste von vorne anfangen.
- Dehnen hilft nicht, Kräftigen macht alles schlimmer. Ich versuchte es mit Dehnen, mit einer Mischung aus Kräftigung und Bewegung und mit der Kombination von Dehnen und Muskelanspannung – alles verstärkte die Schmerzen.
Schmerzbehandlung selbst in die Hand nehmen: Triggerpunkte massieren – das hilft!
Beim verzweifelten Googeln stieß ich auf einen Artikel über Triggerpunkte, Knoten in den Muskeln – die die Anspannung hielten und die gelöst werden müssten. Was dort stand, überprüfte ich mit den eigenen Händen, und fand genau das Beschriebene vor: Hartspannstrang und Triggerpunkt in den Muskeln! Und den ausstrahlenden Schmerz. Aha, ich musste also Triggerpunkte behandeln!
Ich arbeitete mich ein, kaufte Gerätschaften und legte los. Nach ca. 6 Wochen systematischer Behandlung des Trapez-Muskels kamen Erfolge: die Schmerzen ließen bis in den Kopf hinein nach. Der Schraubstock um den Schädel löste sich. Mein Kopf wurde klarer, mein ganzes Befinden besserte sich.
Heilen … In der Natur. Auf dem Balkon. Mit dem freundlichen, geduldigen Kater.

Burnout Rückfall – Übergang zum Schmerzsyndrom
Leider …. Hatte ich einen Rückfall. Just in dem Moment, wo ich mich bereit fühlte, langsam wieder einzusteigen. Das wesentliche Problem war glaube ich ausgerechnet unser Umzug, der mich zu einer passend scheinenden beruflichen Chance und zurück zu meinem Umfeld bringen sollte. Ich habe mich selbst total gestresst und enorm körperlich belastet. Vom Umzug immer noch geplättet, bin ich zwei Wochen später in eine total überfordernde Arbeitssituation gesprungen. Da hatte ich noch mit den heftigsten Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen als Konsequenzen zu tun sowie mit einem völlig vernebelten Kopf.
Mehr körperliche Probleme
Bald nach dem Umzug meldete sich der Rücken mit dem ersten Hexenschuss meines Lebens. Gleich danach streikte der Fuß. Was ich als Folge des Umzugs ansah, ging nie wieder weg. Seitdem habe ich Rücken, so dass mir das Stehen und Gehen schwerfällt. Aus einem von Schmerzen geprägten, temporären Erschöpfungszustand wurde eine dauerhafte Schmerzerkrankung mit dem Symptom von Erschöpfung – Fibromyalgie.
Meine Burnout-Erfahrungen – Fazit
Mein Burnout habe ich als extremen, tiefen Einschnitt empfunden. Wie ich später erfuhr, ist Burnout nicht „etwas Psychisches“ – sondern vielmehr ein Notzustand des ganzen Systems, von Körper und Psyche, die man eigentlich nicht trennen kann voneinander. Das Ausgebranntsein ist die Folge von chronischem Stress – der auf unseren ganzen Körper negative Auswirkungen hat. Diese Zerstörung im eigenen Körper wieder zu reparieren und im Anschluss einen neuen Umgang mit den eigenen Ressourcen zu lernen, scheint die Aufgabe der Heilung von Burnout zu sein.
Wie hast du es erlebt?

Hier schreibt Margit als Betroffene
Auf dieser Webseite gebe ich meine persönlichen Erfahrungen mit Diagnose, Symptomen, Behandlung von Burnout und Fibromyalgie wieder. Ich erzähle von meinem Leben mit chronischen Schmerzen und Erschöpfung und von meinen Fragen, Gedanken und Nachforschungen. Ich versuche alles nachzuprüfen und mit Quellen zu belegen. Aber ich bin nur eine (wissensdurstige) Betroffene, keine Ärztin oder Therapeutin. Wende dich bei medizinischen oder psychischen Problemen immer an eine Fachperson!
